Kleine Zeitung: "Die Storchenstation braucht Platz"
Der Tillmitscher Storchenverein will außerhalb des Ortsgebietes eine neue Storchenstation errichten. Das Grundstück gibt es schon, die nötige Umwidmung lässt auf sich warten.
Andere Leute haben Hunde und Katzen und ich habe halt mein Federvieh", lacht "Storchenvater" Helmut Rosenthaler aus Tillmitsch. Sein Federvieh sind nicht nur kranke oder verletzte Störche, die er mit viel Geduld wieder aufpäppelt. Sondern auch Graureiher, Hühner, die Möwe "Piepsi", die nur mehr einen Flügel hat, der Gänserich "Martin" und sein bester Freund, der Schwan "Fredi". Sie alle tummeln sich auf Rosenthalers kleiner Storchenstation, die er seit 15 Jahren unermüdlich betreibt.
Acht Gehegestörche sind bei Rosenthaler Dauergäste. "Die können nicht mehr fliegen", so der Tillmitscher. Die übrigen Tiere werden gesund gepflegt und auf die Auswilderung vorbereitet. "Bis zum Herbst sind oft 35 Störche da", weiß Rosenthaler. Dass das Schicksal der Tiere nicht nur den Tillmitscher bewegt, zeigen unter anderem die unzähligen Zugriffe auf die Homepage des Vereines samt Live-Web-Cam. "An die 10.000 sind es schon pro Monat. Das ist auch eine tolle Werbung für Tillmitsch", ist Helmut Rosenthaler überzeugt.
Ein großes Anliegen beschäftigt den Storch-Experten bereits seit Jahren: "Hier bei mir wird es langsam zu eng. Deshalb hat der Verein ein Grundstück im Freiland erworben, wo wir eine größere Storchenstation errichten wollen." Dafür fehlt jedoch noch die Genehmigung der Gemeinde, die eine Umwidmung zur Sondernutzung im Freiland beschließen müsste. "Aber da geht nichts weiter", bedauert Rosenthaler.
Er verweist in diesem Sinne auf ein Schreiben der Fachabteilung 13c des Landes, wonach der Standort, auf dem die Anlage errichtet werden soll, außerhalb des Europaschutzgebietes liegt. Dennoch wurde geprüft, ob das Vorhaben im Widerspruch zum Schutzzweck der Verordnung steht. Was laut Naturschutzbehörde allerdings nicht der Fall ist. Somit könnte die Anlage errichtet werden, eine eigene naturschutzrechtliche Bewilligung wäre demnach nicht nötig.
Widerstände gegen das Projekt ortet Rosenthaler auch in der Jägerschaft. Bezirksjägermeister Rudolf Gaube relativiert: "Wir sind nicht gegen das Projekt, sondern gegen den Standort, wo derzeit noch unberührte Natur herrscht. Wenn man da Gebäude hinstellt, wäre das nicht gut." Rosenthaler kontert: "Es sind lediglich Volieren und ein kleines Vereinshaus mit etwa 60 Quadratmetern geplant. Außerdem passiert Artenschutz nun einmal in der Natur." Bürgermeister Alfred Langbauer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
(Quelle: Bettina Kuzmicki, Kleine Zeitung vom 19.4.2011)